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Abfälle

 

Thermische Verwertung von Abfällen:
• Hausmüll
• Sperrmüll
• Hausmüllähnlicher Gewerbeabfall
Das Müllheizkraftwerk Offenbach bietet Entsorgungssicherheit für ca. 900.000
Einwohner im Einzugsgebiet der Region Rhein-Main mit den Schwerpunkten Stadt und
Landkreis Offenbach, Main-Kinzig-Kreis, Stadt Frankfurt sowie Kommunen im Main-
Taunus-Kreis.
Die RMA, Rhein-Main Abfall GmbH in Offenbach, organisiert die Lenkung der
Abfallströme im Verbund mit der Abfallverbrennungsanlage (AVA) in der Stadt Frankfurt.
Im MHKW werden pro Jahr bis zu 250.000 t Abfälle entsorgt.
Abfälle zur energetischen Verwertung gemäß § 6 des KrW-/AbfG:
Zur Verbesserung des Heizwerts der angelieferten Siedlungsabfälle und zum Auffüllen
von freier Verbrennungskapazität werden von zertifizierten Entsorgungsunternehmen
heizwertreiche Abfälle zur energetischen Verwertung als Ersatzbrennstoff übernommen.
Die Abfälle entsprechen den Erfordernissen des § 6 im Kreislauf-wirtschafts- und
Abfallgesetz (KrW-/AbfG). Die Abfälle zur energetischen Verwertung machen derzeit ca.
10 % des Gesamtinputs im MHKW aus.

 

Anlieferbereich / Müllbunker

• Täglich werden im Eingangsbereich des MHKW ca. 150 Fahrzeuge nach Verwiegung
und Überprüfung der Anlieferpapiere abgefertigt.
• An 8 Entladestellen wird der Abfall in den Müllbunker abgekippt. Zwei der Entladeschleusen
sind mit Schreddern ausgerüstet, um sperrige Abfälle zu zerkleinern.
• Eine gute Durchmischung von Hausmüll, Sperrmüll und Gewerbeabfall ist wichtig, um
Heizwertunterschiede auszugleichen und ein homogenes Brenngut zu erhalten.
• Die Anlage ist ganzjährig täglich 24 Stunden in Betrieb. Das Speichervolumen des
Bunkers mit ca. 6.000 m3 entspricht der dreifachen täglichen Anliefermenge.
• Aus dem Müllbunker gelangt der Abfall mit Spezialgreifern in die Aufgabetrichter der
3 Verbrennungslinien.
• Um Staub- und Geruchsemissionen aus dem Anlieferbereich zu vermeiden, wird die
Verbrennungsluft aus dem Bunker abgesaugt.

Anzahl der Abkippstellen: 8 Schleusen
Vorbehandlung: 2 Sperrmüllzerkleinerer (Rotorschredder)
Speichervolumen (nutzbar): 6.000 m³
Abmessungen: Breite 13 m; Länge 36 m; Stapelhöhe 23 m

 

Kesselanlage

• Der Müllkran beschickt bedarfsgerecht den Aufgabetrichter mit Abfällen aus dem
Müllbunker. Die Abfälle gelangen über den wassergekühlten Müllaufgabeschacht
zum hydraulisch betätigten Aufgabeschieber und werden dosiert dem
Verbrennungsrost zugeführt.
• Die bei der Verbrennung des Abfalls auf den 6 Rostwalzen freiwerdende Wärmeenergie
wird in den Dampfkesseln zur Erzeugung von Heißdampf mit 40 bar und
405° C genutzt.
• Das Rauchgas durchströmt zuerst einen vertikalen Strahlungszug ohne Heizflächeneinbauten
und danach den Horizontalzug (sogenannter „Dackelteil“), in dem
Konvektionsheizflächen wie Verdampfer, Überhitzer und Economiser installiert sind.
• Für das An- und Abfahren der Anlage werden mit Erdgas betriebene Zusatzbrenner
eingesetzt. Die Brenner gewährleisten auch, dass die Rauchgase bei einer
Verweildauer von > 2 Sekunden bei einer Mindesttemperatur von 850° C gehalten
werden.
• Die im Kessel abgeschiedene Flugasche wird über Zellradschleusen, Förderschnecken
und pneumatische Fördereinrichtungen in die Siloanlage transportiert.

 

Kesselhersteller: Eisenwerke Baumgarte
Durchsatzleistung: 10 t/h pro Verbrennungseinheit
Dampfparameter: Druck: 40 bar
Temperatur: 405° C
Dampfmenge: 27 t/h
Rauchgastemperatur: Kesselaustritt: 230° bis 250° C

 

Feuerung

• Die Verbrennung der dosiert mit dem hydraulischen Aufgabeschieber in den
Feuerraum eingebrachten Abfälle erfolgt auf den Rostwalzen.
• Durch die Drehbewegung der einzeln drehzahlgeregelten Rostwalzen wird das
Brenngut zum Schlackeabwurf befördert und dabei durch ständiges Wenden optimal
ausgebrannt.
• Der Hauptanteil der für den Verbrennungsprozess benötigten Luft wird mit
Ventilatoren von unten durch den Rost in das Brennstoffbett eingeblasen.
• Der Rost ist über die Länge von Rostwalze 1 bis 6 in Zonen mit unterschiedlicher
Luftzuführung eingeteilt.
• Die Form des Feuerraums ist durch die sogenannte „Gleichstromgeometrie“ so
gestaltet, dass eine optimale Verbrennung der Rauchgase erzielt werden kann.
• Der Ausbrand der Abfälle ist nach der 4. Rostwalze weitgehend abgeschlossen. Das
Brenngut glüht auf den Walzen 5 und 6 nur noch aus und fällt dann durch einen
Schacht in das Wasserbad des Nassentschlackers. Hier wird die Schlacke gelöscht,
gewaschen und dann in den Schlackebunker ausgetragen.
• Die jährlich bei der Abfallverbrennung anfallenden ca. 70.000 t Schlacke werden
entschrottet, aufbereitet und in Baumaßnahmen verwertet.

 

Anlagenlieferant: Lentjes-Kablitz
Brenngut-Dosierung: Hydraulischer Aufgabeschieber
Rostsystem: 6 Rostwalzen mit Glattroststäben, Neigung 20°
Rostlänge: 10,30 m
Rostbreite: 3,00 m
Brennraumgeometrie: Gleichstromfeuerung mit gekühlten, ausgemau-erten
Feuerraumwänden

 

 

Rauchgasreinigung Teil I (2-stufige Nasswäsche)

• In den Rauchgasen von Müllverbrennungsanlagen sind anorganische Schadstoffe,
wie Chlorwasserstoff (HCl), Fluorwasserstoff (HF) und Schwefeldioxid (SO2) in
Abhängigkeit von der Zusammensetzung des verbrannten Abfalls in unterschiedlicher
Konzentration enthalten.
• Die anorganischen Schadstoffe werden mit einem zweistufigen Waschverfahren im
Vorwäscher und Hauptwäscher aus der Gasphase in die wässrige Phase überführt.
• In der Waschzone werden die im Rauchgas befindlichen Schadstoffe durch intensive
Verwirbelung mit der Wäscherflüssigkeit abgeschieden.
• Die hohe Temperatur des Rauchgases wird zur Eindampfung der neutralisierten
Abwässer genutzt.
• Bei der Eindampfung im Sprühtrockner erhält man einen trockenen Rückstand, der
zusammen mit der Flugasche durch untertägigen Versatz im Kalibergbau einer
sinnvollen Verwertung zur Stabilisierung bergbaulicher Hohlräume zugeführt wird.
• Vor Eintritt der Rauchgase in die Rauchgasnachreinigung (Katalysator) erfolgt unter
Ausnutzung der hohen Rohgastemperatur eine Wiederaufheizung im Glasröhren-
Wärmetauscher auf eine Temperatur von ca. 105° C.

 

Hauptkomponenten der Rauchgasreinigungsanlage Teil I:
Anlagenlieferant: Deutsche Babcock
Sprühtrockner: Eingangstemperatur: 230-250° C
Ausgangstemperatur: 170° C
Elektrofilter: Spannung: 54.000 V
Vorwäscher: Niederdruck-Venturiwäscher; pH-Wert=0
Umlaufmenge der Waschflüssigkeit 60 m3/h
Zusatz: Schlackewasser, Deponiesickerwasser
Brunnenwasser
Hauptwäscher: Gegenstromwäscher; pH-Wert = 7,5 – 8,0
Umlaufmenge der Waschflüssigkeit 250 m3/h
Zusatz: Brunnenwasser, Natronlauge (NaOH)

 

Rauchgasreinigung Teil II (Kombinationskatalysator)

• Nach der nassen Rauchgaswäsche enthalten die Rauchgase noch Stickoxide und im
Spurenbereich Dioxine und Furane über den Grenzwertbereichen der 17. Bundes-
Immissionsschutzverordnung (17. BImSchV).
• Nach dem Prinzip der selektiven katalytischen Reduktion (SCR) werden die
Stickoxide zu molekularem Luftstickstoff und Wasserdampf umgesetzt.
• Im Oxidationskatalysator werden Dioxine und Furane in Kohlendioxid, Chlorwasserstoff
und Wasser umgewandelt.
• Zum Erreichen der Reaktionstemperatur des Katalysators müssen die in der
Nasswäsche vorgereinigten und abgekühlten Rauchgase (105° C) wieder aufgeheizt
werden.
• Die Wiederaufheizung auf Katalysatortemperatur (230° C) geschieht stufenweise im
Dampf-/Gasvorwärmer (120° C), durch Energierückgewinnung aus dem heißen
Reingas im Kreuzstrom-Plattenwärmetauscher (190° C) und zuletzt in einem, in den
Rauchgaskanal eingebauten, dampfbeheizten Wärmetauscher (230° C). Bei An- und
Abfahrvorgängen sowie bei Störungen kann zusätzlich ein Erdgasflächenbrenner in
Betrieb genommen werden.
• Vor Eintritt in den Kombinationskatalysator wird 25%-iges Ammoniakwasser als
Reduktionsmittel in den Rauchgasstrom eingedüst.
• Vor Ableitung der Reingase über einen Saugzug in den Kamin wird kontinuierlich
eine umfangreiche, automatische Gasanalyse gemäß den Anforderungen der 17.
BImSchV durchgeführt, welche in regelmäßigen Abständen behördlich überwacht
wird.

Komponenten der Rauchgasreinigungsanlage Teil II:
Anlagenlieferant: Lentjes Energietechnik GmbH
Katalysatorbauart: 3-lagig
Katalysatortyp: Siemens; Titandioxid dotiert mit Vanadiumpentoxid,
Wolframoxid, Molybdänoxid
Katalysatorvolumen: 30 m3 pro Linie
Reduktionsmittel: 25 %iges Ammoniakwasser (NH4OH)

 

Fernwärme- und Stromproduktion

• Die bei der Abfallverbrennung freiwerdende Wärmeenergie wird zur Erzeugung von
Elektroenergie und Fernwärme genutzt.
• Die Frischdampfschiene aus den Kesseln versorgt die Entnahmekondensationsturbine,
die Turbinenspeisewasserpumpen, den Betriebsstrahler zur Vakuumerzeugung
sowie im Bedarfsfall notwendige Reduzierstationen.
• Die im Generator erzeugte Elektroenergie wird zum Teil im Müllheizkraftwerk zur
Deckung des Eigenbedarfs genutzt. Der wesentliche Anteil wird in das Stromnetz der
EVO eingespeist.
• Der mit 5 bar Druck aus den Turbinen ausgeschleuste Dampf wird über Wärmetauscher
geleitet und die abgegebene Wärme in das Fernwärmenetz der EVO
eingespeist.
• Der nicht mehr nutzbare Dampf kondensiert in einem luftgekühlten Konden-sator.
• Im Jahr 2007 konnte die Wärmeeinspeisung in das Fernwärmenetz der EVO auf fast
180.000 Megawattstunden erhöht werden. Dadurch ließ sich zum Beispiel der
Ausstoß des klimaschädlichen CO2 um 28.590 t mindern.

 

Technische Eckdaten der Turbine I
Hersteller/Lieferant: Ansaldo
Turbinentyp: Entnahme-Kondensationsturbine
Dampfentnahmemenge: 22.680 bis 45.000 kg/h
Entnahmedruck: 5 bar
Drehzahl: 7.500 U/min
Leistung: 11 MW

 

Fernwärme- und Stromlieferung

• Der in den Kesseln erzeugte Dampf wird in der Turbine I (Entnahme-Kondensationsturbine)
mit einer Leistung von 11 MW und in der Turbine II (Gegendruck-
Turbine) mit 2,2 MW zur Stromerzeugung genutzt.
• Aus den Turbinen mit einem Druck von 5 bar entnommener Dampf wird in den
Wärmetauschern kondensiert und dem Wasser-/Dampfkreislauf wieder zugeführt.
• Die Wärmetauscher werden im Sekundärkreislauf mit Wasser durchströmt. Die dort
aufgenommene Wärme wird in das Fernheiznetz der EVO eingespeist.
• Wenn die Verbrennungslinien nicht in Betrieb sind, wird die Fernwärmeversorgung
durch Heißwasserkessel abgesichert.
• Die erzeugte Fernwärme wird in das Netz der EVO eingespeist und versorgt den Neu-
Isenburger Stadtteil Gravenbruch sowie Teilbereiche von Offenbach und
Dietzenbach im Verbund mit dem Kohle-Heizkraftwerk der EVO in der Andréstraße.
Im Jahr 2001 wurde das Heizwerk Dietzenbach durch eine Fernwärmespange an das
Verbundnetz angeschlossen. Durch die Verbundlösung konnte das Heizwerk
Dietzenbach zu großen Teilen des Jahres außer Betrieb genommen werden. Durch
diese Maßnahme werden CO2-Emissionen vermieden und Heizöl eingespart.

 

Maximale Fernwärmeauskopplung: 36 MWtherm.
Vorlauftemperatur ins EVO-Fernwärmenetz: über 145° C
Rücklauftemperatur aus d. EVO-Fernwärmenetz: unter 70° C
Umwälzmenge: 200 – 400 m3/h
Wärmeleistung Heißwasserkessel: 24 MW
Entnahme-Kondensationsturbine: 11 MWelektr.
Gegendruckturbine: 2,2 MWelektr.

 

Zertifizierung des MHKW zum Entsorgungsfachbetrieb

Nach der Begutachtung des Müllheizkraftwerks Offenbach durch einen unabhängigen
Sachverständigen erstmals im Mai 2000 wurde die Zertifizierung des MHKW zum
Entsorgungsfachbetrieb gemäß Entsorgungsfachbetriebeverordnung (EfbV) durch den
Überwachungsauschuss der „Entsorgergemeinschaft der Deutschen Entsorgungswirtschaft“
(EdDE) im September 2000 urkundlich bestätigt. Seitdem erfolgt
eine jährliche Wiederholungsbegutachtung.
Mit der Zertifizierung wird gegenüber Entsorgungspartnern, Kunden und Anlieferern, bei
Behörden und in der Öffentlichkeit dokumentiert, dass die im MHKW angedienten (Input)
sowie beim Verbrennungsprozeß anfallenden Abfälle (Output) ordnungsgemäß und
unter Einhaltung aller einschlägigen Richtlinien und gesetzlichen Grundlagen entsorgt
werden.
Die folgenden Schwerpunkte werden als Voraussetzung für die Zertifizierung besonders
berücksichtigt und überprüft:

• Vorliegen und Einhalten aller für das MHKW geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften
• Festlegung der Verantwortung und der Entscheidungsbefugnisse in der Betriebsorganisation
(Unternehmenshandbuch; Betriebshandbuch)
• Anforderungen an den Betriebsinhaber und an die für die Leitung und Beaufsichtigung
des Betriebs verantwortlichen Personen
• Anforderungen an die personelle Ausstattung
• Umfang und Inhalte des Betriebstagebuchs
• Art und Umfang des Versicherungsschutzes
• Gewährleistung der Mitarbeiterfortbildung durch regelmäßige Schulungsmaßnahmen

Neben der Optimierung der betriebs- und personalbezogenen Qualifikation bei der
Aufgabendurchführung sind die folgenden Vorteile zu nennen, die der Status des
Entsorgungsfachbetriebs mit sich bringt:

• Stärkung der Konkurrenz- und Wettbewerbsfähigkeit
• Verbesserung von Marketingaspekten insbesondere hinsichtlich der Akquisition von
Abfällen
• Einsparung von Kosten
• Standortsicherung; Verbesserung des Bildes in der Öffentlichkeit (Akzeptanz)
• Rechtssicherheit; Verringerung des Haftungsrisikos
• Abbau staatlicher Kontrollen (Behördenakzeptanz; Deregulierungsmöglichkeiten)

 

Es reicht jedoch nicht aus, das Zertifikat einmal zu erlangen und sich dann „auf den
Lorbeeren“ auszuruhen; vielmehr ist es notwendig, den Entsorgungsstandard durch
Qualitätssicherung auf hohem Niveau zu halten bzw. auszubauen. Dies wird bis heute
durch jährlich durchzuführende Wiederholungsprüfungen bestätigt, in denen die
Mitarbeiter des MHKW die Qualifikation immer wieder nachweisen.

 

Das Müllheizkraftwerk ist gemäß Urkunde der Entsorgergemeinschaft der Deutschen
Entsorgungswirtschaft (EdDE) für die folgenden Merkmale zertifiziert:

• Lagern, Behandeln, Verwerten und Beseitigen von Abfällen
• Art des Lagers: Müllbunker
• Art der Behandlungsanlage: Sperrmüllzerkleinerer (Rotorschere)
• Art der Verwertungsanlage:
Müllheizkraftwerk. Verbrennung von Abfällen zur energetischen Verwertung
mit Nutzung der freiwerdenden Wärmeenergie durch Umwandlung in Fernwärme
und elektrische Energie.
• Art der Beseitigungsanlage:
Müllheizkraftwerk. Beseitigen von Abfällen durch thermische Behandlung
auf dem Rost.
• Beschränkung der abfallwirtschaftlichen Tätigkeiten „Lagern, Behandeln, Verwerten
und Beseitigen“ auf insgesamt 92 Abfallarten (Inputkatalog).

 

 

 
ЦБР на 19.05.2012
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ECB on     May 18, 2012
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